Yaël Amiet
Ich bin Studentin im zweiten Jahr an der Académie de Meuron, einer Schule für Bildende Kunst in Neuenburg. Lange Zeit habe ich mich mit darstellender Kunst beschäftigt. Die Erfahrungen in diesen künstlerischen Bereichen haben mich dazu gebracht, eine Arbeit anzustreben, die sich an der Schnittstelle zwischen beiden Bereichen entwickelt. Deshalb arbeite ich derzeit mit dem Medium Installation. So kann ich mit der Räumlichkeit unseres Körpers, den Spuren, die wir hinterlassen, und der Ausdruckskraft von Gesten spielen.
Was mich an Dürrenmatt interessiert, ist das ständige Hin und Her zwischen der Position des Beobachters, des Denkers und des fühlenden Wesens. Er reflektiert, imaginiert und konstruiert Situationen, die mit seinen Beobachtungen des Kontexts, in dem er sich bewegt, in Verbindung stehen. Genauso wie er sich von dem, was er wahrnimmt, befreien muss, indem er sein eigenes Dekor direkt an seinem Wohnort malt. Er bot einen Blick auf seine Umgebung durch Metaphern und einen kritischen Geist, ich möchte einen Blick anbieten, der vom Betrachter selbst kommt.
Diese Videoinstallation untersucht Fragen im Zusammenhang mit Freiheit und der politischen Stellungnahme einer Künstlerfigur. Ausgehend von einem Satz aus Dürrenmatts letzter Rede «Für Vaclav Havel» – «Jeder Gefangene beweist, indem er sein eigener Wärter ist, seine Freiheit.» – habe ich mich still vor Dürrenmatts Schreibtisch gestellt und beobachtet, was man dort heute sieht. Wie würde er unsere heutige Gesellschaft sehen? Und was nehmen wir wahr? Welche Ausdrucksmittel ermöglichen es uns heute, unsere Freiheit wirklich zu erleben?
Indem ich diese Arbeit mit Klebebändern in den Raum brachte, bildete eine fragile, unter Spannung stehende Struktur einen formbaren Rahmen um meine Position.

