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Martin Sieron

Martin Sieron erforscht in seiner Malerei, wie geistige Realitäten durch Wahrnehmung, Umwelt und innere Prozesse geformt werden. Inspiriert von Friedrich Dürrenmatt thematisiert er in seinen Arbeiten das Spannungsfeld von individueller Freiheit, Schuld und Macht.

Friedrich Dürrenmatt verstand die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft als ambivalent: Eingebunden in komplexe Systeme, bleibt dennoch eine Verantwortung bestehen, sich kritisch mit den Verhältnissen auseinanderzusetzen und Einfluss zu nehmen. Diese Überlegung lässt sich fruchtbar mit der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Paradiesgedanken verbinden. Der Bildraum als Ort der Imagination bietet eine Möglichkeit, individuelle Utopien sichtbar zu machen – nicht als eskapistische Flucht, sondern als Reflexionsraum, in dem Verantwortung, Handlung und Vision miteinander verknüpft werden.

In dieser vielschichtigen Raumstruktur erscheint das Pferd als Krafttier: ein Symbol für Energie, Bewegung und Freiheit – zugleich aber auch für Tragen, Domestizierung, Durchhalten und den Übergang zwischen Welten. Inmitten der abstrahierten Naturfragmente und gestischen Übermalungen wird das Pferd zum Vermittler zwischen Realität und Utopie, zwischen innerem Bild und äusserer Handlung. Es verkörpert den Impuls, trotz Chaos und Ohnmacht in Bewegung zu bleiben, sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen.

So verbinden sich Dürrenmatts politisch-ethischer Impuls mit einer zeitgenössischen Bildsprache, die das Paradies nicht als verlorenen Ort zeigt, sondern als Möglichkeit: eine fragile, sich stets wandelnde Projektionsfläche, in der Verantwortung und Vorstellungskraft produktiv aufeinandertreffen. Das individuelle Paradies wird damit zur Herausforderung –nicht bloss zur Sehnsucht, sondern zur Aufgabe.